Brandanschlag in München und BKA-Lagebild: Deutschland im Visier hybrider Sabotage
Nach Brandsätzen an einer Baustelle nahe Münchner Rüstungsfirmen zeigt ein vertrauliches BKA-Papier: Sabotage- und Spionageverdachtsfälle häufen sich 2026 landesweit.
03.09.2026, 14:30 · Von Redaktion PTBR News

In der Nacht zum 3. September 2026 warfen Unbekannte Brandsätze auf eine Baustelle nahe dem Münchner Ostbahnhof, in deren Umfeld Gebäude von Rüstungs- und Sicherheitsunternehmen liegen. Ein Sprengsatz löste ein Feuer aus, das die Polizei löschte, ein zweiter musste von Spezialkräften entschärft werden. Größerer Schaden entstand nach bisherigem Stand nicht.
Kurz darauf nahm die Polizei an einer Tankstelle eine 28-jährige Frau und einen 38-jährigen Mann fest, beide bulgarische Staatsangehörige. Beide äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Die Ermittlungen liegen beim Bayerischen Landeskriminalamt und der Zentralstelle Extremismus und Terrorismus (ZET) der Staatsanwaltschaft München.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von Gebäuden und Baustellen, die sich „unmittelbar Rüstungs- und Sicherheitsfirmen zuordnen ließen", und von Hinweisen auf einen politischen Hintergrund der Tat. Angesichts internationaler Spannungen bestehe „eine erhöhte Gefährdung für Anschläge auf unsere eigene Infrastruktur, insbesondere bei Rüstungsunternehmen", so Herrmann laut dpa. Ein erwiesener russischer Auftrag ist damit nicht belegt – die Behörden sprechen von einem Verdacht, dem nachgegangen wird, nicht von einer festgestellten Tatsache.
Der Fall reiht sich in ein deutlich größeres Bild ein: Einem vertraulichen Lagebild des Bundeskriminalamts zufolge, über das NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichteten, verzeichneten die Behörden bis Ende August 2026 bundesweit mehr als 165 mutmaßliche Sabotagefälle sowie rund 100 weitere Verdachtsfälle von Spionage, häufig unerlaubtes Fotografieren oder Filmen militärischer Einrichtungen. Zusätzlich registrierten Polizei und Sicherheitsbehörden zwischen Januar und Ende August 747 Vorfälle mit insgesamt 1.068 gesichteten Drohnen über kritischer Infrastruktur – die Piloten blieben in den meisten Fällen unbekannt.
Besonders im Fokus steht der Schutz der Stromversorgung. Anfang September wurden laut Berichten in zwei Bundesländern binnen weniger Stunden mutmaßliche Sabotageversuche an Umspannwerken bekannt: nahe Turnow-Preilack in Brandenburg, wo selbstgebaute Flugkörper leitfähiges Material auf Hochspannungsleitungen richten sollten, und im nordrhein-westfälischen Bergheim, wo aufgelegte Kabel offenbar einen Kurzschluss auslösten und vorübergehend Kraftwerksblöcke mit rund 4,2 Gigawatt Leistung vom Netz gingen. Die Stromversorgung blieb in beiden Fällen stabil, die Behörden werteten die Vorfälle als mutmaßlich vorsätzliche Sabotageakte.
Im Juli war bereits in Bayern ein moldauischer Staatsangehöriger festgenommen worden, dem vorgeworfen wird, mit einer Drohne ein Rüstungsunternehmen ausgespäht zu haben – Ermittler vermuten einen Auftrag im Interesse russischer Staatsstellen, auch dies bislang ein Verdacht und kein rechtskräftig festgestellter Sachverhalt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte Mitarbeitende von Rüstungsfirmen bereits im Sommer zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.
Quelle: t-online.de (dpa) / NDR, WDR, Süddeutsche Zeitung (via ad-hoc-news.de)
Status: Lizenziert · Abgerufen: 03.09.2026, 13:00
Bild: Hochspannungsleitung, Foto: Schmidti / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Symbolbild) · CC BY-SA 3.0