Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD in Umfragen bei über 40 Prozent
Analyse vor dem Urnengang am 6. September 2026: Warum die AfD als klarer Favorit gilt, welche Koalitionen theoretisch möglich wären – und warum praktisch fast alle sie ausschließen.
03.09.2026, 07:00 · Von Redaktion PTBR News

Dieser Text ist eine Einordnung der Ausgangslage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 – kein Wahlergebnis. Die eigentlichen, laufend aktualisierten Resultate finden sich auf der dedizierten Wahlseite von PTBR News.
Rund 1,69 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ein neues Landesparlament zu bestimmen. Regiert wird Sachsen-Anhalt seit 2021 von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP, die bei der vergangenen Wahl knapp 37 Prozent für die CDU geholt hatte. Ministerpräsident ist seit Januar 2026 Sven Schulze (CDU), Nachfolger von Reiner Haseloff.
In aktuellen Umfragen – etwa von INSA Anfang September – liegt die AfD bei bis zu 43 Prozent, mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Die CDU verliert im Vergleich zu 2021 rund 15 Punkte und wird bei 22 bis 23 Prozent gesehen. Die Linke (Spitzenkandidatin Eva von Angern) käme auf 11 bis 13 Prozent, die SPD (Armin Willingmann) auf 8 bis 9 Prozent, die Grünen (Susan Sziborra-Seidlitz) auf 6 Prozent. Für BSW (Claudia Wittig, Thomas Schulze) werden 3 bis 4 Prozent gemessen, für die FDP (Lydia Hüskens) 3 Prozent – womit sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde.
Träfen diese Umfragewerte zu, verlöre die amtierende Koalition ihre Mehrheit. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung wäre es das erste Mal seit Gründung der Bundesrepublik, dass eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei rechnerisch eine absolute Mehrheit der Sitze erreichen könnte – der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt trägt diese Einstufung seit 2023. Alle anderen im Landtag vertretenen Parteien haben eine Regierungsbeteiligung der AfD ausgeschlossen; die CDU lehnt umgekehrt eine Zusammenarbeit mit der Linken ab. Ergebnis wäre im Zweifel eine CDU-geführte Minderheitsregierung, die auf wechselnde Mehrheiten angewiesen wäre.
Im Wahlkampf standen laut bpb-Analyse vor allem Migration, Bildung und Wirtschaft im Vordergrund, dazu Lehrkräftemangel, Kinderbetreuung, marode Infrastruktur und die anhaltende Abwanderung junger Menschen aus dem Land. Sachsen-Anhalts Wirtschaft schrumpfte 2025 um 0,2 Prozent, die Industrieproduktion sank um 1,8 Prozent. Seit dem Jahr 2000 hat das Bundesland rund 500.000 Einwohner verloren, Prognosen gehen bis 2040 von nur noch 1,83 Millionen aus – Faktoren, die in der öffentlichen Debatte immer wieder mit der Stärke der AfD im Land in Verbindung gebracht werden, ohne dass sich daraus ein einfacher Kausalzusammenhang belegen ließe.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) / t-online.de
Status: Lizenziert · Abgerufen: 03.09.2026, 13:40
Bild: Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Foto: Torsten Maue / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 · CC BY-SA 2.0
